Piper Heidsieck Abfüllanlage der Firma Piper Hiedsieck in Reims. Besuch in Frankreich (Université de Reims).
  • Seminarwoche im Papierzentrum Gernsbach 2019

    von Prof. Dipl.-Ing. Stefan Junge 10. März 2019

    Auch in diesem Jahr besuchten die Masterstudenten des Studiengangs “Verpackungstechnik”
    der Beuth Hochschule für Technik Berlin im Rahmen des Moduls „Automatisierungstechnik
    im Verpackungswesen“ das Papierzentrum in Gernsbach. Der einwöchige Aufenthalt wurde
    dabei zu großen Teilen von der Fritz-Landmann-Stiftung finanziert, welche sich vor allem für
    die Aus- und Weiterbildung in der papierherstellenden, als auch in der papierverarbeitenden
    Industrie engagieren. Das Papierzentrum in Gernsbach gehört demnach zu einem von vielen
    durch die Fritz-Landmann-Stiftung geförderten Projekten. Neben Arbeitgeberverbänden der
    deutschen Papierindustrie und der Verbandszentrale der Baden-Württembergischen,
    Rheinland-Pfälzischen und Hessischen Papierverbänden, sind hier auch die
    Bildungsakademie Papier, das Ausbildungszentrum Mittelbaden, sowie die
    Papiermacherschule Gernsbach vertreten. Darüber hinaus ist das Papierzentrum
    Kooperationspartner mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe für den
    Studiengang Bachelor of Engineering – Papiertechnik.

    Die einwöchige Reise in das Papierzentrum Gernsbach soll den Studenten dabei einen
    umfassenden Einblick in die Herstellungsprozesse der Papier- und Wellpappenindustrie
    geben. Dort stehen über 60 Schulungs- und Seminarräume zur Verfügung, in denen Übungen
    und Seminare abgehalten werden können. Außerdem bieten die modernen Laboratorien ein
    praxisnahes Lernen von Herstellungs- und Prüfverfahren der Papierindustrie an.

    Die Studenten reisten bereits am Sonntag in Gernsbach an. So hatten sie Zeit, um in Ruhe
    anzukommen, noch die Stadt zu erkunden, die Zimmer zu beziehen und gemeinsam Abend
    zu essen, damit sie direkt am Montagmorgen frisch und ausgeruht in die Seminare starten
    konnten.

    Das Wochenprogramm war so geplant, dass von Montag bis Donnerstag jeweils morgens der
    seminaristische Unterricht stattfand, wo die theoretischen Grundlagen vermittelt wurden und
    am Nachmittag die darauf aufbauenden Übungseinheiten stattfanden, in denen das
    Fachwissen direkt in die Praxis umgesetzt wurde, um das gelernte zu veranschaulichen und
    zu verfestigen.

    In den Seminareinheiten wurden unter anderem die Papier- und Kartonerzeugung behandelt,
    wozu auch die Faserstoffgewinnung und die Stoffaufbereitung gehören. In den Übungen
    konnten die Studenten selbstständig Prüfblätter mit unterschiedlichen Mahlgraden herstellen
    und danach durch unterschiedliche Prüfmethoden untersuchen, welchen Einfluss der
    Mahlgrad auf die Papiereigenschaften hat. Thematisiert wurden auch Hilfsstoffe in der
    Papiererzeugung und die Veredelung von Papier. So wird Beispielsweise Calciumcarbonat als Füllstoff oder auch als Streichpigment verwendet um die Papierqualität hinsichtlich der
    Opazität, Weiße und des Glanzes zu verbessern. Die Eigenschaften des Papiers konnten die
    Studenten in den Laborübungen mit Hilfe von verschiedenen Prüfgeräten messen. So wurde
    z.B. die Rauigkeit des Papiers mit der Prüfmethode nach Bendtsen bestimmt. Bei dieser
    Prüfmethode wird der Luftstromdurchfluss in Milliliter pro Minute ermittelt. Anhand des
    Glührückstands kann der Füllstoffanteil im Papier nachgewiesen werden. Zudem haben sich
    die Studenten die Grundlagen der Farbphysik und Farbmetrik angeeignet. Das Papierzentrum
    ist mit Spektralphotometern ausgestattet, an denen die Studenten an verschiedenen Proben die
    Farborte messen und die jeweiligen Farbdifferenzen zwischen den Proben ermitteln konnten.
    In der Seminareinheit Mess- & Regelungstechnik haben die Studenten die Grundlagen der
    Automatisierungstechnik vermittelt bekommen.

    Am Freitag hatten die Studenten am Morgen die Möglichkeit gehabt eine gesamte
    Papierproduktion virtuell zu steuern. Mit dem PC-Programm CAPS, welche vom
    Papierzentrum Gernsbach entwickelt wurde, können verschiedene Parameter eingestellt
    werden und so der Betrieb einer Papierproduktion simuliert werden. Nach der Einführung in
    das CAPS-Programm hatten die Studenten am Nachmittag freie Zeit um sich für die
    Abschlussklausur am nächsten Tag vorzubereiten.

    Zum Abschluss der Seminarwoche wurden die Studenten am Samstag auf die Probe gestellt.
    In einer zweistündigen Klausur stellten sie ihr ganzes erlerntes Wissen zum Beweis. Mit der
    Abgabe der Klausur war die Seminarwoche beendet und die Studenten reisten zurück in die
    Heimat. Durch die kompetenten, gut organisierten und motivierten Dozenten und Mitarbeiter
    als auch den umfangreichen Lehrmaterialien und den gut ausgestatteten und modernen
    Laboren, konnten alle Studenten nicht nur die Klausur erfolgreich mit guten Noten
    abschließen, sondern haben darüber hinaus auch umfangreiches und nützliches Wissen für
    das spätere Berufsleben mitgenommen.

    Nach der erlebnis- und lehrreichen Woche in Gernsbach bedanken sich die Masterstudenten des Studiengangs Verpackungstechnik der Beuth Hochschule für Technik Berlin zunächst bei der Fritz-Landmann-Stiftung, welche die Seminarfahrt durch die finanzielle Unterstützung ermöglicht hat. Außerdem gilt ein großer Dank dem Papierzentrum Gernsbach, insbesondere dem stellvertretenden Schulleiter Herrn Böck und dem Seminarleiter Herrn Burkert, als auch den Dozenten und Mitarbeiter für die hervorragende Seminarwoche, die Unterbringung und Verpflegung. Und abschließend geht auch ein Dank an Herrn Prof. Junge für die gute Organisation der Seminarfahrt.